Alleine wohnen? Ja bitte!

11.08.2020 DAVID
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Es gibt nicht DEN oder DIE typische BewohnerIn eines Davids. Es sind die Studierenden, die Multilokalen, die Bescheidenen, die Solo-Männer und die Solo-Frauen sowie die „G-Erwachsenen“ – getrennt oder geschieden. Im Blog-Artikel „Wahre Größe hat viele Gesichter“ haben wir uns schon einmal eingehend mit den verschiedenen David-Typen beschäftigt. Nun widmen wir uns nochmals bewusst den Solo-Männern und -Frauen.

Die Zahl der Einpersonenhaushalte nimmt jährlich zu und die Alleinlebenden bringen die unterschiedlichsten Wohnbedürfnisse mit sich.
Die moderne Biografie ist geprägt von einem gesünderen Leben bis ins hohe Alter, längeren Orientierungsphasen, mehr Freiheiten und ständigen Umbrüchen. Entsprechend finden sich in allen Lebensphasen Anlässe für Solo-Lebensabschnitte, wie diese Grafik zeigt.

Flexibilität als A und O:

„Wohnen ist kein endgültiger Zustand, sondern ein Prozess“ meinte der Kunsthistoriker Philip Ursprung und trifft damit den Nagel vieler „Suchender“ auf den Kopf. Freiheit und Flexibilität beim Wohnen und Arbeiten ist heutzutage wichtiger denn je. Wohnen ist für viele auch kein Statussymbol mehr. Der Besitz von Dingen ist vielmehr eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Das Leben spielt sich vermehrt draußen, dezentral und unterwegs ab, das Zuhause dient als Transitort, jedoch nicht ohne Ansprüche an Gemütlichkeit.

Alleine, aber nicht einsam.
Alleine wohnen ist oft mit der Angst vor Einsamkeit verbunden. Das muss jedoch nicht sein. Die gefühlte Qualität von Wohnraum hängt nämlich stark von dessen Fähigkeit ab, Interaktion und Gemeinschaft zu erzeugen.
 
 
Eine Studie des GDI* hat sich mit dem urbanen Wohnen im 21. Jahrhundert beschäftigt und schreibt:
 
„Wohnen findet nicht mehr nur zu Hause statt, Interaktionen nicht mehr nur analog, Arbeiten nicht mehr nur im Büro. Wohnen ist beinahe überall und gleichzeitig. Einfach ist der Zugang zu kollektiven und öffentlichen Räumen, mobil unser Lebensstil, hoch unser Bedürfnis nach Austausch, mühelos die Organisation von Treffen mit Freunden und Bekannten, digital und multilokal das Heimatgefühl.“
 
Wohnen spielt sich also nicht mehr nur in den eigenen vier Wänden ab: Immer mehr Menschen eignen sich öffentliche Bereiche an, um ihr Wohnumfeld zu erweitern und suchen trotz zunehmendem Individualisierungsbedürfnis und klaren Bestrebungen zur Selbstverwirklichung die Gemeinschaft. Stichwort „Collaborative Living“ – bedeutet, eine räumlich dezentrale Wohnungskultur, die auf einem intensiveren Gemeinschaftssinn aufbaut. Dabei helfen gemeinsam nutzbare Außenbereiche „Chillen & Grillen“, Dachterrassen, Lounge-Ecken oder ähnliches.
 
Micro-Living soll seinen BewohnerInnen vor allem möglichst viel (Lebens-)Raum für möglichst wenig Geld ermöglichen. „Solos“ sollen in Micro Apartments praktisch und cool leben können, ohne ihren Lebensstandard dafür anpassen oder Abstriche im Komfort hinnehmen zu müssen. Dann ist das Wohnen im 21. Jahrhundert angekommen.
 
*GDI Gottlieb Duttweiler Institute, 2018, www.gdi.ch